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Die Nase voll…. von Taschentuch-Müllbergen?!

Tonnenweise Taschentücher – Mit dieser Schlagzeile begann die Tage ein Artikel in einer regionalen Zeitung, in dem interessante Fakten nachzulesen waren, der mich neugierig machte.

90 Jahre Erfolgsgeschichte

Seit 90 Jahren schon gibt es „Tempo“ – und der Markenname wurde rasch zum Synonym für die praktischen Papiertücher, die es mittlerweile von vielen Herstellern und in vielen Varianten gibt: Im Plastikfolien-Päckchen zum Mitnehmen, mit und ohne Menthol oder nase-pflegende Öle, für zuhause als Tücherbox, mittlerweile auch in Recycling-Qualität oder aus Bambus in der nachhaltigeren Großpackung aus festem Papier.

Bequem und hygienisch waren die neuen Papiertüchlein in der Packung und so wurden sie rasch zum weltweiten Erfolgsprodukt. „Clevere Hausfrauen erkennen, dass sie sich mit Tempo nicht nur viel lästige Wasch- und Bügelarbeit ersparen, sondern dass es auch hygienischer ist“ – so die damalige Aussage des Herstellers. Die bis dahin verwendeten Stofftaschentücher (auch ich habe diese als Jugendliche noch für meinen Vater gebügelt) wurden somit verdrängt und waren schnell „out“.

Bereits Ende der 30er Jahre produzierte die bekannte Firma 400 Millionen Tempo-Tücher im Jahr. Heute haben wir die unglaubliche Zahl von rund 20 Milliarden (!) Tüchern pro Jahr erreicht! 

Nicht nur Vorteile...

Doch der Umstieg auf die praktischen Papiertücher brachte auch erhebliche Nachteile mit sich. 

  • Die Herstellung kostet sehr viel Energie und es werden große Mengen wertvoller Ressourcen wie Holz und Wasser verbraucht.
  • Dabei gelangen auch gefährliche Stoffe in unsere Gewässer und in die Luft.
  • Da Papier-Taschentücher nur einmal verwendet werden, gehen sie wie Toilettenpapier durch Wegwerfen bzw. Wegspülen dem Papierkreislauf verloren.

„Wir spülen damit unsere Wälder ins Klo.“

Weitere wichtige umweltrelevante Fakten

Für alle, die an Hintergrundinformationen interessiert sind, wird es jetzt ein wenig technischer und trockener ;-)…

Ressourcenverbrauch

„Neben Fasern und Chemikalien werden bei der Herstellung von Zellstoff und Papier große Mengen Prozesswasser und viel Energie in Form von Dampf und Elektrizität benötigt.

  • Die Papierindustrie zählt zu den fünf energieintensivsten Branchen in Deutschland.
  • Ein Fünftel der weltweit abgeholzten Wälder wird für die Papierproduktion (auch Taschentücher) verwendet. 

Da mittlerweile in Deutschland ca. 50% des Holzes durch Altpapier ersetzt wird, konnten bereits Energie und Rohstoffe eingespart werden. Die steigenden Produktionsmengen an Papier machen jedoch diese ökologischen Verbesserungen wieder zunichte.

Bedenklicher Trend: Laut Verbraucherzentrale ist im Zeitraum 2004 bis 2017 der Verbrauch von Papierprodukten (aus Frischfasern) um 40% gestiegen! Gleichzeitig würden Papierprodukte immer seltener aus Recyclingfasern hergestellt werden.

Wasserverschmutzung

Für Papiertaschentücher oder Klopapier braucht man Zellstoff. Um diese Zellstoff-Fasern zu gewinnen, werden Holzschnitzel in Lauge oder Säure gekocht.
„Das Abwasser aus Papier- und Zellstoffwerken ist meist sehr hoch mit organischen Kohlenstoffverbindungen belastet. Diese sind zum Teil schwer abbaubar und können in den biologischen Kläranlagen nur bedingt abgebaut werden.“
Durch das gleiche Verfahren wird übrigens auch „holzfreies“ Papier hergestellt!

Es gibt kein „holzfreies“ Papier!

– Diese Bezeichnung ist reine Augenwischerei.

Auch bei der Altpapier-Wiederverwendung wird übrigens Wasser zum Auflösen und Waschen der Fasern verbraucht. Dabei lösen sich die z.T. giftigen Druckerfarben und verschmutzen auf diese Weise das Wasser.

Mein Fazit: Umsteigen auf Recyclingpapier ist gut – Papierverbrauch einschränken ist besser!

Luftverschmutzung

Bei der Zellstoff-Herstellung entstehen zahlreiche meist schwefelhaltige Gase (SO2 ist schleimhautreizend und giftig), sowie Chlor.
Gleichzeitig wird vor allem bei der Entrindung des Holzes viel Holzstaub an die Luft abgegeben.

Auch bei der Herstellung von Recyclingpapier entstehen Emissionen. Der Grund dafür liegt jedoch nicht im Prozess, sondern an den Druckfarben und Beschichtungen des verwendeten Altpapiers.

Alternativen zum herkömmlichen Papiertaschentuch

Recycling-Taschentuch (Päckchen)

Besser in der Energiebilanz und dadurch nachhaltiger sind Taschentücher in Recycling-Qualität. Diese werden aus Altpapier hergestellt und du kannst sie mittlerweile überall kaufen. – Allerdings sind sie immer noch in Plastik verpackt – immer 10 Tatüs in einem kleinen Beutelchen und diese wiederum im großen Plastikbeutel zusammengepackt.

Noch nachhaltiger ist deshalb die …

Tücherbox

Natürlich auch in Recycling-Qualität, versteht sich von selbst. 🙂 
100 Tücher aus 100% Recycling-Fasern im Karton, ebenfalls aus Altpapier hergestellt und im besten Fall noch ohne diese Plastikfolie an der Entnahmeöffnung! 
Ökologisch, nachhaltig und zurecht mit dem Blauen Engel ausgezeichnet.
Die Tücher sind genauso stabil wie die „Kollegen“ im Päckchen. In einer Dose (z.B. von Bonbons) oder in einem kleinen Täschchen kannst du deine Tücher auch auf saubere Weise und trocken überall mit hinnehmen.

 Bambus-Taschentücher

360 einzelne Tücher sind als Großpackung in Recyclingpapier verpackt. Bambus ist ein schnell nachwachsender Rohstoff, die Pflanze wächst nach dem Schlagen des Bambusrohres weiter und enthält mehr Zellstoff als Holz. Die Tücher sind ungebleicht und ohne Plastikverpackung – eine gute Idee. 
Ein Nachteil: Der verwendete Bambus wächst (noch) nur in China. Dadurch muss Energie für den Transport verwendet werden. Laut Hersteller wird der Bambus waldnah verarbeitet. Als Ausgleich für das Verschiffen des Rohstoffes werde ein Projekt in Nigeria mit Spenden unterstützt. Bestellte Pakete werden CO2-neutral versendet, zudem kann man die Bambusprodukte auch bei einem bekannten Drogeriemarkt kaufen.

Stoff-Taschentücher

In meinen Augen die ökologischste Variante: Nahezu beliebig oft waschbar – bis sie auseinanderfallen ;-), und kein Abfall!
Und in jedem Waschgang haben bestimmt noch ein paar kleine Taschentücher Platz… also fallen hier keine zusätzlichen Energiekosten an.

Wenn du noch Stofftaschentücher von der Oma hast – wunderbar! Du kannst aber auch sehr einfach alte T-shirts oder andere Stoffreste als Stofftaschentücher verwenden. Einfach einsäumen und gut!

Ein möglicher Nachteil: Die Hygiene. 
Wenn du richtig erkältet bist, solltest du also darauf achten, immer wieder frische Stofftaschentücher zu verwenden, um den Bakterien oder Viren Einhalt zu gebieten.

Kaufe oder bastele dir eine Tücherbox dazu und schon hast du Omas Stoff-Taschentücher allzeit griffbereit!

Und wer bügelt schon Taschentücher???
Nicht bügeln spart Zeit, Energie und niemand stört sich an Knitterfalten im Taschentuch! 😉

Tipps zu mehr Nachhaltigkeit im Papierverbrauch

Wir verbrauchen immer mehr Papier, Papier, Papier … 

Wir holzen (oder brennen) immer mehr Wälder ab. 

Lasst uns nicht vergessen:

Bäume und Wälder sind die Lunge unserer Erde!

Sie produzieren bekanntlich den Sauerstoff, den wir alle so dringend zum Überleben brauchen.

10 Papier-Spar-Tipps

Was kann ich also tun – was kann jede/r von uns tun, um dem allgemeinen Trend entgegenzuwirken? Um weniger Papier zu verbrauchen? Um die Bäume zu erhalten?

  1. Verwende Stofftaschentücher oder benutze weniger Papiertaschentücher und wenn, dann in Recycling-Qualität aus Altpapier
  2. Sei sparsam im Verbrauch von Klopapier.
  3. Ersetze Einmal-Wisch-und-weg-Tücher durch Spül- oder Waschlappen aus Naturfasern (z.B. Baumwolle).
  4. „Keine Werbung, bitte!“ am Briefkasten führt auf Dauer dazu, dass weniger Werbeprospekte gedruckt werden.
    Werbeinformationen kannst du auch im Internet nachlesen.
  5. Lies deine Tageszeitung online oder teile dir die gedruckte Zeitung mit Nachbarn, Arbeitskollegen oder Familie.
  6. Drucke weniger aus! – Ist es wirklich notwendig, ein Dokumente auszudrucken?
  7. Verwende auch die Rückseiten deiner Papiere als Schmierpapier oder Notizzettel
    – Ich schneide mir die bedruckten DIN A4 – Papiere immer zu kleineren Notizzettel für Einkäufe, Notes…
  8. Spare Geschenkpapier. 
    Verwende Geschenkpapiere wenn möglich mehrmals (in gebrauchte große Papiere können nochmal knitterfrei kleinere Geschenke verpackt werden). Auch Poster, schöne Kalenderblätter oder Zeitungspapiere sind tolle Verpackungen. Schöne Geschenktüten können immer wieder neu befüllt werden. Stoffreste wie ausgediente Kleidungsstoffe eignen sich genauso als wunderbar nachhaltige Geschenkverpackungen.
  9. Spare Papierservietten. Natürlich ist es eine schöne Deko. Aber die meisten wandern ungenutzt in den Müll. Im Alltag kannst du waschbare Stoffservietten oder Waschlappen nehmen. Auf den Kaffeetisch kann man die Servietten auch schön in die Mitte des Tisches dekorieren – so nimmt sich nur derjenige eine Serviette, der wirklich eine braucht.
  10. Sammle dein Altpapier.
    Bündle es für die Altpapiersammlungen durch Vereine oder gib es in die Blaue Tonne. So wird kostbarer Rohstoff wieder in den Papierkreislauf zurückgeführt.

Hast auch du Ideen oder Erfahrungen, die du mit uns teilen möchtest? Dann schreibe mir gerne einen Kommentar! 
Ich freue mich darauf.

Quellen: Augsburger Allgemeine vom 18. Sept. 2019, Umweltbundesamt, smoothpanda

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