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Ohne Zucker?! – Teil 2: Fruchtsaft ist nicht gleich Obst

Obst und Fruchtsaft - zwei verschiedene Dinge

Der zweite AHA-Effekt stellte sich bei mir ein, als ich die Fakten über Fruchtsäfte und getrocknete Früchte las.

Pure Säfte gibt es bei uns selten, normalerweise trinken wir Wasser, manchmal auch Saftschorlen. Zum Sonntagsfrühstück presse ich gerne mal frische Orangen aus – als besonderes Highlight am Sonntag und um uns etwas Gutes zu tun.

„Ein Glas Saft enthält nicht das Beste aus vier Äpfeln,
es enthält den Zucker aus vier Äpfeln.“

Als ich das so schwarz auf weiß las, klang es sehr hart, aber doch logisch und überhaupt nicht mehr gesund!
Wer würde tatsächlich 4 Äpfel (oder Orangen) auf einmal essen und das noch zusätzlich zu Semmeln und Brezen mit Marmelade, Honig oder Käse. Vielleicht noch ein Müsli dazu? – Alles in allem viel zu viel (ich wäre nach 2 Äpfeln schon satt) und vor allem viel zu viel Zucker!

„Mutter Natur gab uns Obst in einer perfekten Verpackung, mit Ballaststoffen, die uns sagen, wann wir satt sind, und der perfekten Menge Zucker, die unser fein abgestimmter Verdauungsapparat verarbeiten kann. Man findet keine Entsafter in der Serengeti oder im Herzen des Amazonasgebiets!“

Interessant fand ich die Information, dass Säfte erst seit den 1950er Jahren industriell hergestellt werden. Nach einem Sturm mit gravierenden Folgen für die Orangen-Bauern in Florida war das Verarbeiten von Orangen zu Saft die lukrativste Möglichkeit, die geschädigte Orangenernte doch noch gewinnbringend auf den Markt zu bringen.

Und ganz ehrlich: Wenn wir an einer Saftbar ein Glas frisch gepressten Saft genießen, freuen wir uns über die frische Qualität und die vielen Vitamine, die wir zu uns nehmen. Wer denkt da schon an den enthaltenen Zucker?

Einen eindrucksvollen Überblick darüber, welches Getränk wie viel Zucker enthält, findest du hier.

Gesunde Trockenfrüchte?

Ich gebe zu, dass ich meinen Kindern als Süßigkeit gerne mal einen Fruchtriegel mit auf einen Ausflug gegeben habe, in der Hoffnung, dass in einem Fruchtriegel auch die Vitamine und guten Nährwerte des Obstes enthalten sind. Denn wie das mit Kindern so ist: Zumindest eine kleine Süßigkeit haben sie auch gerne beim Ausflug dabei. Banane essen sie zuhause, wenn ich einen Obstteller richte, aber nicht unterwegs, wenn sie vielleicht schon etwas braun geworden ist… Und einen angebissenen Apfel kann man nicht so leicht wieder wegpacken, um ihn später weiter zu essen. Natürlich war mir bewusst, dass Fruchtriegel süß sind und Zucker enthalten, aber immerhin noch besser als Schokolade, Kekse oder Gummibärchen – so dachte ich.
Dass die Riegel mit Plastik umwickelt und eingepackt sind, nahm ich in diesen seltenen Fällen zähneknirschend in Kauf. … Da wäre die Banane bzw. der Apfel natürlich viel nachhaltiger, weil unverpackt! 

Liest man die Aufschrift auf der Verpackung des Fruchtriegels, so wird einem nur Gutes angepriesen:

… der kleine Riegel mit viel Frucht
… ohne Zuckerzusatz
… mit wertvollem Getreide

Klingt eigentlich ganz gesund, oder?

Schaut man allerdings auf die Zutatenliste, entdeckt man, dass zwar kein Kristallzucker, dafür aber Gerstenmalzextrakt und Süßungsmittel Maltit zugesetzt wurde, damit der Riegel auch ja ausreichend süß schmeckt. – Die Trockenfrüchte alleine wären meiner Ansicht nach süß genug!

Die Nährwertinformation verrät uns schließlich, dass in 100 g Fruchtriegel 35,8 g Zucker enthalten sind – das ist mehr als ein Drittel! In einem Riegel (24 g) sind 8,6 Gramm Zucker versteckt, das entspricht knapp 3 Würfel Zucker.

Der Fructose-Tsunami

Da in den Säften oder Trockenfrüchten kaum mehr Ballaststoffe enthalten sind, stellt sich kaum ein Sättigungsgefühl ein und wir nehmen viel mehr Früchte zu uns, als wenn wir sie im Original-Zustand essen würden. 

Dadurch wird unser Körper in kürzester Zeit mit einer unglaublich großen Menge an Fruchtzucker konfrontiert, die er so nicht verarbeiten kann.

Jean-Marc Schwarz, ein Wissenschaftler der Touro University in Kalifornien spricht von einem regelrechten 

„Fructose-Tsunami, der unsere Leber überschwemmt. Es ist eine riesige Zuckerwelle, die schreckliche Auswirkungen hat“

 

Eine normale Menge an Fructose, die wir über frische Früchte und Gemüse aufnehmen, kann unser Organismus gut abbauen, doch mit dem Fructose-Tsunami ist er völlig überfordert.

Unser Dünndarm kann dann nur einen kleinen Teil der Fructose ins Blut weiter geben, ein anderer Teil gelangt in den Dickdarm. Dort freuen sich die Bakterien über das Festmahl. Sie vermehren sich unmäßig und produzieren gleichzeitig eine Menge Gase und Säuren. Bauchweh, Blähungen oder auch Durchfall sind häufig die Folge. Sie vermehren sich unmäßig und produzieren gleichzeitig eine Menge Gase und Säuren. Bauchweh, Blähungen oder auch Durchfall sind häufig die Folge. 

Das leuchtete mir absolut ein und ich bekam eine völlig neue Sichtweise auf den gesundheitlichen Wert von Trockenfrüchten und vor allem Fruchtsäften.

Durch die Verarbeitung von Obst in Säfte oder Trockenfrüchte nehmen wir viel mehr Fruchtzucker zu uns, als wir es tun würden, wenn wir Äpfel, Trauben, Orangen und co als frisches Obst verzehren. Und wir merken dabei nicht, dass wir unseren Körper mit Fructose überfluten.

Völlig neu war mir auch die Information, dass es bereits Bananensorten gibt, die extra süß gezüchtet wurden.

Was mir auffällt, nachdem ich momentan versuche, meinen Zuckerkonsum Richtung Null zu fahren:

Süße kann man sich abgewöhnen

Mein Empfinden für „süß“ hat sich in den wenigen Tagen erheblich gesteigert.
Der Frühstücksbrei (Haferflocken in Hafer- oder Kokosmilch gekocht, mit einigen Apfelstückchen, Leinsamen und Ciasamen) ist auch ohne Zusatz von Süßungsmitteln unglaublich süß. Bei dem Apfelkuchen, den es bei einer Trauerfeier gab, hätte ich gerne auf die zuckersüße Mandel-Honig-Schicht obenauf verzichtet. Was ich natürlich aus Anstand den Gastgebern gegenüber nicht getan habe. 😉 Und reife Bananen empfinde ich auch schon fast als zu süß. 

Quellen: Zitate aus „Voll verzuckert – That Sugar Book“, zentrum-der-gesundheit.de, arte-Dokumentation: „Die große Zucker-Lüge“, Für sie: „Überblick: Zucker in Getränken“

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